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Begrüßung zur Feierstunde anlässlich der Übergabe der Urkunde zur staatlichen Anerkennung als Erholungsort am 13. Februar 2012

 

Sehr geehrte Frau Meyer,

Sehr geehrter Herr Landrat,

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ganz herzlich heiße ich Sie hier im Ratssaal der Stadt Eibenstock willkommen. Wir sind heute hier zusammengekommen, um ein für unseren Ort doch sehr denkwürdiges Ereignis zu begehen. Zum Ende des vergangenen Jahres erhielt die Stadt Eibenstock für die Ortsteile Eibenstock, Carlsfeld und Wildenthal den Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“ verliehen. Dem vorausgegangen war ein aus unserer Sicht sehr langes Antragsverfahren, bei dem uns selbst erst einmal bewusst wurde, wie viel dazugehört, um diese staatliche Anerkennung als Erholungsort zu erhalten. Heute sind wir sehr froh darüber, dass der Beirat für die Erholungsorte nach dem Sächsischen Kurortegesetz diese Entscheidung zugunsten unserer Stadt getroffen hat. Gestatten Sie mir deshalb einige wenige Ausführungen zu Hinterrund und Bedeutung dieser Anerkennung für die Stadt Eibenstock.

 

Was macht man mit einer Bergstadt, die über 800 Jahre lang landwirtschaftlich bzw. später industriell geprägt war? Erst in den letzten 30 Jahren ihrer 850-jährigen Geschichte begann in der Stadt ein zartes Pflänzchen Tourismus zu keimen. Für die wesentlich jüngeren Ortsteile Wildenthal und Carlsfeld unterdessen spielte der Tourismus schon etwas länger eine größere Rolle. Deshalb waren sie auch bereits vor 1990 staatlich anerkannte Erholungsorte, die diesen Titel aufgrund der Bestandsschutzregelungen auch bis vor 5 Jahren inne hatten.

 

Was macht man aus einer Bergstadt, die topografisch überhaupt keine Voraussetzungen dafür bietet, dass sich Industrie, Handel oder auch Landwirtschaft ansiedeln kann? Wenn Sie sich umschauen, dann sorgen Berge dafür, dass kaum ein ebener Bauplatz zur Verfügung gestellt werden kann oder Erschließungen für sehr viel mehr Geld erfolgen müssen, als das in den weniger bergigen Regionen der Fall ist. Gleiches gilt für Wohngebiete, Verkehrsanlagen usw.

 

Was macht man mit einer Bergstadt, wo jeder Quadratmeter des zum Zeitpunkt der Antragstellung 90 km² großen Areals in mindestens einem Schutzgebiet liegt? Ob Naturpark, Trinkwasserschutzzone, FFH-Gebiet oder auch Naturschutzgebiet, irgendetwas ist bei uns immer geschützt. Es bedarf deshalb enormer Anstrengungen bei eventuellen Genehmigungsverfahren. Bereits Anfang der 90er-Jahre wurden Bebauungspläne nach den Genehmigungsverfahren zum Teil abgelehnt. Ob Wohngebiete oder auch Gewerbegebiet, zumeist erfolgten Genehmigungen erst nach jahrelangen Widerspruchsverfahren. Heute sind wir etwas erfahrener und versuchen in den Abwägungsverfahren soviel wie möglich Hindernisse für eine Genehmigung zu beseitigen. Die Länge der Verfahren hat sich aber dabei nicht geändert. Ich erinnere hierbei an das nach über drei Jahren immer noch nicht abgeschlossene Verfahren zum Kur- und Heilzentrum „Waldhausen“. Es grenzt fast schon an ein Wunder, dass der Investor dieses extrem teure Verfahren mit großer Geduld auch weiterhin verfolgt.

 

Was macht man mit einer Bergstadt, die zu einem großen Teil Textilstandort war, an dem Arbeitsplätze, gerade auch für Frauen, in einer Dimension weggebrochen sind, wie sie vielleicht vergleichbar in den Braunkohlegebieten weggebrochen sind? Eibenstock gehörte immer zu den Gemeinden, die die höchste Arbeitslosenquote aufwiesen. Im Bereich der Männerarbeitsplätze erging es uns ähnlich, hier sind wir aber in der regionalen Familie gleich betroffen gewesen.

 

Denn mit dem Zusammenbruch der Wismut gingen in der Region Arbeitsplätze in 5-stelleriger Größenordnung verloren. Handel, Dienstleistungen und zum Teil auch neue Industrieansiedlungen konnten den Negativsalto an Arbeitsplätzen anfangs nur gering kompensieren.

 

Was macht man mit einer Bergstadt, die städtebaulich in manchen Bereichen dem Eindruck einer dreckigen Geisterstadt glich, bei der man vergessen hat, nach Kampfhandlungen die Häuser wieder aufzubauen? Durch die Errichtung eines Plattenbaugebietes am Rande der Stadt war das Wohnen in der Altstadt fast schon ein sozialer Makel. Die Bausubstanz verfiel nicht erst seit der DDR, sondern schon weit vor dem Zweiten Weltkrieg. Die großzügige Gründerzeit-Bausubstanz ist auch heute noch eine der kompliziertesten Herausforderungen für die Stadtentwicklung. Auch heute noch erleben wir, dass Menschen einfach nicht in die Unterstadt ziehen wollen, weil das negative Image dieses Stadtteils immer noch in den Köpfen der Menschen vorhanden ist. Dabei hat die Unterstadt wunderschöne Gebäude, ist deutlich aufgelockerter gestaltet worden und bietet die gleiche Lebensqualität wie jeder andere Stadtteil auch.

 

Was macht man mit einer Bergstadt? Die Liste dieser Fragen könnte ich noch eine Weile fortsetzen. Damit will ich Sie keinesfalls langweilen. Die Fragen stehen aber für unsere äußerst komplizierte Ausgangssituation im Jahr 1990. Wir hatten keine andere Chance, als nach neuen Erwerbsquellen für die Menschen zu suchen. Viele Spielräume hat man in unserer bereits beschriebenen Lage dabei nicht. Zunächst möchte ich aber bemerken, dass wir trotz aller Schwierigkeiten auf dem Territorium unserer Gemeinde mittlerweile wieder weit über 500 Industriearbeitsplätze haben, die das Rückgrat des Erwerbs unserer Bevölkerung darstellen. Hierfür sind wir den Unternehmern und Unternehmerinnen sehr dankbar. Sie haben mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Stadt und ihrer Einnahmen geleistet. Darauf komme ich noch einmal zurück.

 

Von Anbeginn fassten wir im Stadtrat den Beschluss, den Tourismus als einen möglichen weiteren Erwerbszweig unserer Bevölkerung zu entwickeln. Dabei gab es drei wesentliche Schwerpunktaufgaben. Die erste Aufgabe bestand darin, möglichst schnell ein breites Angebot an touristischer Infrastruktur zu entwickeln. Der zweite Ansatz bestand darin, möglichst schnell die städtebauliche Entwicklung der Stadt anzugehen, um die unübersehbaren Narben einer Wohnungsmisswirtschaft zu beseitigen. Denn wer möchte schon gerne Urlaub in einer zerfallenen Stadt machen? Und der dritte Schwerpunkt bestand im Aufbau touristischer Organisations- und Finanzierungsstrukturen. Das war für unseren Ort eine große Herausforderung. Wir werden nachher in einem kleinen Bildvortrag noch die wesentlichen Stationen dieser Entwicklung zeigen.

 

Heute verfügt unser Ort über eine sehr vielfältige und leistungsfähige touristische Angebotsstruktur. Hotels und Gastronomie sind auf einem sehr guten Niveau. Viele Unternehmer im touristischen Bereich haben in den vergangenen Jahren sehr viel Herzblut in die Entwicklung ihrer Einrichtungen gesteckt. Die Qualität kann sich durchaus sehen lassen und ist mittlerweile konkurrenzfähig. Einen wesentlichen Entwicklungsbaustein möchte ich dabei noch einmal ausdrücklich erwähnen, weil der Tourismus in Eibenstock ohne dieses Projekt auch heute nicht vorstellbar wäre. Mit der Eröffnung der „Badegärten Eibenstock“ am 12. Juli 1997 begann für Eibenstock die „touristische Zeitrechnung“ neu. Kein Objekt hat unsere Entwicklung in der Stadt auf dem Gebiet des Tourismus mehr beeinflusst, als die Badegärten Eibenstock. Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als optimal und ermutigend. Aber wir waren von Anfang an davon überzeugt, dass eine gute Symbiose zwischen dem Hotel „Am Bühl“ und den Badegärten funktionieren kann. Dieser Grundansatz erwies sich aus heutiger Sicht rückblickend als sehr erfolgreich.

 

Aus diesem Grunde möchte ich dies zum Anlass nehmen, mich bei der Sächsischen Staatsregierung zu bedanken, die mit einer großzügigen Förderung dieses Objekt überhaupt erst ermöglicht hat. Der Dank gilt dabei auch an das damalige Regierungspräsidium Chemnitz, das diese Chance für Eibenstock in gleicher Weise erkannt hat. Doch die Stadt Eibenstock hätte auch mit den Fördermitteln aus Chemnitz bzw. Dresden dieses Bad nicht bauen können, wenn nicht der damalige Landkreis Aue-Schwarzenberg mit 1,5 Millionen DM einen wichtigen Investitionszuschuss gewährt hätte. Der damalige Kämmerer bzw. Finanzbedienstete war unser heutiger Landrat Frank Vogel. Auch Ihnen herzlichen Dank für Ihren Einsatz für Eibenstock. Bedanken möchte ich mich aber auch bei unseren örtlichen Unternehmern, die während der Zeit des Badbaus das Hotel „Am Bühl“ übernommen haben, es saniert und seitdem auch betreiben.

 

Gerade Letzteres ist mir ein Bedürfnis auch in der Öffentlichkeit einmal zu sagen. Das Geheimnis unseres Erfolges besteht gerade darin, dass wir in einer konstruktiven und zielorientierten Zusammenarbeit zwischen privater Wirtschaft und kommunaler Gebietskörperschaft es geschafft haben, Anlagen zu errichten und zu betreiben, die die Gäste heute während ihres Aufenthaltes in der Region nutzen. Dahinter steckt nicht nur aus Investitionssicht ein Erfolgsgeheimnis, sondern auch aus Betriebssicht. Fast alle touristischen Einrichtungen werden in privatwirtschaftlichen Organisationsformen betrieben. Dass dies eine Gradwanderung ist, weiß jeder, der sich etwas mit der Materie auskennt. Dass es aber funktionieren kann, haben wir bisher unter Beweis stellen können. Deshalb möchte ich mich auch bei allen Unternehmern und Geschäftsführern bedanken, die es geschafft haben, schwarze Zahlen zu schreiben, obwohl man landläufig immer wieder davon ausgeht, dass touristische Infrastruktur nicht kostendeckend betreibbar ist. Ideenreichtum, Innovation und Qualität, das sind ständige Herausforderungen für die Entwicklung des Tourismus, denn Konkurrenz ist immer da.

 

Gerade Mittelgebirgslandschaften rüsten seit Jahren auf, um Anteile in einem hart umkämpften Markt zu gewinnen. In einer solchen Konkurrenzlage muss man sehr genau abwägen, was man tut und wo man sich weiterentwickeln möchte. Eines steht aber fest, und ich habe das kürzlich in einem Kommentar auch für die Zeitschrift „Reiseland“ geschrieben, wir stehen noch vor großen Entwicklungsaufgaben im touristischen Bereich. Unsere Infrastruktur ist noch lange nicht konkurrenzfähig. Insofern brauchen wir auch weiterhin die Unterstützung des Staates, damit insbesondere die jetzt gut gewachsenen Zentren des Tourismus weiter als Angebotskerne entwickelt werden. Insbesondere ist die Entwicklung von Ganzjahresangeboten eine bedeutsame Aufgabe, für die ich weiter werben möchte. Dieser Aufgabe wollen wir uns stellen und auch zukünftig unsere Anstrengungen verstärken.

Doch ohne geordnete kommunale Situation funktioniert so etwas nicht. Und da komme ich noch einmal auf das Thema „Finanzen“ zurück. Wenn es nicht Unternehmen in unserem Ort gäbe, die mit ihren Gewerbesteuern dafür sorgen, dass die Stadt ausreichend Eigenanteile für Entwicklungsprojekte aufbringen kann, wären wir nicht dort, wo wir heute sind. Deshalb möchte ich noch einmal betonen, dass Tourismus eine gesamtgemeinschaftliche Aufgabe ist, in deren vielfältigen Netzwerken ein Geben und Nehmen zustande kommt. Vielleicht haben wir in Eibenstock mehr als anderswo verstanden, wie wichtig gerade diese Zusammenhänge sind. Darüber hinaus haben wir ebenfalls durch sehr unangenehme Entscheidungen dafür gesorgt, Finanzierungsstrukturen für den Tourismus zu entwickeln. Wenn wir heute mehr als 80.000 EUR Kurtaxe pro Jahr einnehmen, ist das nicht nur eine Zahl im Haushalt, sondern dahinter steckt das stetige Bemühen, eine Umsetzungsdisziplin bei allen Beherbergungsunternehmern zu entwickeln. Ohne dieses Geld könnten wir die Infrastruktur und die Marketingaktivitäten in der heutigen Qualität nicht aufrechterhalten.

 

Darüber hinaus haben wir mit der Schaffung des neuen Tourist-Service-Centers und dem Aufbau einer leistungsfähigen Mannschaft für den Bereich des Tourismus auch organisatorisch ein kleines Fundament geschaffen, auf das sich aufbauen lässt. Ich möchte mich deshalb auch bei allen Mitarbeitern der Verwaltung und bei unseren Stadträten bedanken, dass die Aufgabe des Tourismus als wichtig, prioritär und auch gemeinschaftlich angesehen wird.

 

Für uns steht mit dem heutigen Tag die Entwicklung nicht still. Eine wichtige Aufgabe haben wir insbesondere da zu erledigen, wo manches auch noch weh tut. Der Tourismus ist noch lange nicht im Kopf der gesamten Bevölkerung angekommen. Immer noch haben nicht alle verstanden, welche Chancen, aber auch welche Pflichten im Tourismus liegen.

 

Hier muss es uns besser gelingen, die gesamte Bevölkerung mitzunehmen und davon zu überzeugen, dass ein touristisches Infrastrukturprojekt manchmal wichtiger ist, als eine Nebenstraße zu sanieren. Die Balance, die wir da in den letzten Jahren gefunden haben, muss auch weiter beibehalten werden. Darüber hinaus haben wir demografiebedingt noch viele städtebauliche Aufgaben zu bewältigen. Nach wie vor plagen uns leer stehende Gebäude bzw. industrielle Altlasten mitten in den Ortskernen. Auch ist die Infrastruktur nunmehr schon wieder in die Jahre gekommen und bedarf einer Erneuerung. Wir wollen die Aufgaben mit Mut und Zuversicht angehen, denn unser Ziel war nicht nur „Staatlich anerkannter Erholungsort“ zu werden, sondern „Kurort“ zu werden. Insofern ist der heutige Tag ein ereichtes Etappenziel. Irgendwann wollen wir aber auf dem Champs Èlysées des Tourismus einfahren und Eibenstock zu einem aus Deutschlands Tourismusbranche nicht mehr wegzudenkenden Erholungsort machen.

 

In diesem Sinne wünschen wir uns alle gemeinsam Mut und Zuversicht sowie stets das nötige Geld und möglichst viele Gäste.

 

Uwe Staab

Bürgermeister