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Grußwort zur Eröffnung der Mauerkrone der Trinkwassertalsperre Eibenstock am 02.10.2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

immer wenn eine Einrichtung oder Infrastruktur für den Tourismus eröffnet wird, ist es ein guter Tag für unsere Stadt, für unsere Region zwischen Auersberg und Kuhberg und für unser ganzes Erzgebirge. In den vergangenen, fast 25 Jahren, waren solche Eröffnungen meistens der Abschluss von Neubau- oder Sanierungsmaßnahmen, bei denen neue touristisches Angebot entstanden ist. Viele Beispiele hierfür können wir für unser kleines Gebiet hier im Westerzgebirge aufzählen. Heute ist dies aber ein klein wenig anders. Heute geben wir mit der Mauerkrone der Trinkwassertalsperre Eibenstock ein Stück touristische Infrastruktur frei, was schon seit mehr als 30 Jahren bis auf die notwendigen technischen Neuerungen so existiert wie sie heute dasteht. Und doch ist es eine der bemerkenswertesten Eröffnungen, die wir für den Tourismus durchführen.

 

Lassen Sie mich deshalb gleich zu Beginn meiner Grußworte allen danken, die sich für die Freigabe der Mauerkrone der Trinkwassertalsperre eingesetzt haben. Ganz besonderer Dank gilt natürlich dem Freistaat Sachsen, insbesondere der Landestalsperrenverwaltung, die letztendlich in eigener Regie dieses Vorhaben plante und realisierte. Ohne ihr Engagement würden wir heute nicht an diesem Platz stehen. Danken möchte ich auch allen, die für den heutigen Tag die begleitenden Arbeiten durchführten, die Beschilderungen, Informationsmaterialien bzw. die technischen Voraussetzungen hergestellt haben und damit dazu beigetragen haben, dieses Ereignis heute zu einer runden Sache gemacht haben.

 

Seit ich Bürgermeister der Stadt Eibenstock bin, ist das Thema der touristischen Nutzung der Trinkwassertalsperre Eibenstock immer wieder präsent gewesen. Ich erlebte zahlreiche Diskussionsrunden, immer wieder neue Vorstöße, kritische Auseinandersetzungen und auch konkrete Bauanträge, die letztendlich in Ablehnung endeten. Fast kein Imageprospekt der Stadt Eibenstock bzw. der Region „Am Auersberg“ wurde aufgelegt, in dem nicht mindestens ein großformatiges Foto der Trinkwassertalsperre Eibenstock abgebildet war. Begehrliche Blicke und Wünsche für eine touristische Nutzung dieses Erzgebirgsmeeres hat es also permanent gegeben. Die Antworten, die die Touristiker auf diese Fragen erhielten, waren meistens mit gesetzlichen Grundlagen begründet, der Zugang der Talsperre wurde immer verwehrt. Heute an diesem Tag gibt es zum ersten Mal ein „Pro“ oder „Ja“. Darüber freuen wir uns sehr. Und ich glaube, da im Namen aller Bürger der Region zu sprechen.

 

Nun muss man aber diese ganze Entwicklung etwas differenzierter betrachten. Als Vertreter der Kommunen und damit auch der Menschen hier in unserer Region möchte ich deshalb mit aller Deutlichkeit sagen, dass wir diese Differenziertheit stets gesehen haben. Die Öffnung der Mauer einer Talsperre, insbesondere einer Trinkwassertalsperre für Jedermann ist keinesfalls eine problemlose Angelegenheit.

 

War Anfang der Neunziger Jahre die Sicherheitslage in Europa nach dem Fall der Mauer und dem Abzug der russischen bzw. amerikanischen Truppen recht entspannt, so sehen wir uns heute mit einer weltpolitischen Situation konfrontiert, die das Thema Sicherheit wieder stark in den Vordergrund rückt. Wegen „Wasser“ werden bereits in einigen Ländern der Erde Kriege geführt. Wasserressourcen sind gerade in trockenen Gebieten der Erde heiß umkämpfte Objekte. Wir sehen gerade in Syrien, wie die Terrormilizen als erstes die Versorgungsinfrastruktur für die Menschen unter ihre Kontrolle gebracht haben, um Druck auszuüben.

 

Der Terrorismus und die internationale Kriminalität haben deutlich zugenommen und stellen auch eine Gefahr in Deutschland dar. Dies erfordert erhöhte Wachsamkeit bei allen „Lebenserhaltungssystemen“ unseres Landes. Eine funktionierende Ver- und Entsorgungsinfrastruktur ist das Markenzeichen einer zivilisierten hochentwickelten Gesellschaft. Nur wenige Länder der Erde verfügen flächendeckend darüber. Darauf können wir in Deutschland stolz sein, aber wir dürfen sie auch nicht den Angriffen derer ausliefern, die unser Gesellschaftssystem bekämpfen wollen.

 

Das dritte Problem, was auch erst seit wenigen Jahrzehnten eine sehr große Rolle im gesellschaftlichen Diskurs spielt, ist der Klimawandel. Auch wenn die Modelle der Klimaforscher immer wieder neu überarbeitet werden müssen, weil die Menschheit vom Funktionieren des globalen Klimas immer noch sehr wenig weiß, so ist eines klar. Wir wissen nicht wohin die Reise geht. Wir wissen aber, dass Wasserspeicher eine immer größere Rolle für die Zivilisation spielen, sei es für die Wasserversorgung oder als Hochwasserschutz.

 

All dies ist unseren Menschen bewusst und deshalb gab es immer wieder auch Verständnis für Entscheidungen gegen die Nutzung der Trinkwassertalsperren. Umso mehr sind wir aber auch erfreut, dass jetzt ein Weg gefunden worden ist, die Mauerkrone in die touristische Angebotsstruktur unserer Region einzubinden. Ich bin mir sicher, dass dies die Attraktivität unserer Region steigern wird und das es viele Tage im Jahr geben wird, wo viele Menschen die Gelegenheit nutzen werden, um hier zu sein, zu verweilen bzw. ein Stück der Wege beiderseits der Mauer entlang zu wandern. Die Auswirkungen der heutigen Mauerkronenöffnung können wir nicht vorher sehen, aber sie wird ihre Wirkung nicht verfehlen. Das Beispiel Mulderadweg hat gezeigt, wenn eine Infrastruktur da ist, wird sie auch von Gästen und Einwohnern genutzt, und das nicht zu wenig.

 

Worin besteht nun das Potential der Mauer dieser Talsperre? Zum einen wird es das touristische Wegenetz um sehr viele Möglichkeiten erweitern. Unser Tourist-Service-Center hat in Vorbereitung des heutigen Tages insgesamt 40 Schilder neu anfertigen müssen, weil sich Wegstrecken und Entfernungen ändern. Die Schaffung eines Rundweges um die Talsperre, der die Anliegerorte miteinander verbindet, ist nun keine Utopie mehr. Da er in einigen Bereichen schon vorhanden ist, dürften die Lückenschlüsse in den kommenden Jahren ein wesentliches Investitionsziel unserer Gemeinden bzw. des Landkreises werden. Auch der Mulderadweg wird neue Chancen bekommen. Ich habe mit Bekanntwerden der Mauerkronenöffnung als Verbandsvorsitzender des Zweckverbandes Muldentalradweg sofort die Planungen des Abschnittes Wolfsgrün – Gerstenbergweg gestoppt. Die ursprünglich geplante Trasse vor dem Gerstenberg über den Weg zum Lindenacker hat angesichts des nunmehr vorhandenen Potentials keinen Sinn mehr. Die Planung wird nun darauf ausgerichtet, möglichst im Muldental bis zur Staumauer zu bleiben und einen Weg zu finden, der eine Staumauerüberquerung in den Mulderadweg einbindet. Auch wenn Radfahrer über die Mauer ihr Rad schieben müssen, so ist das eine Bereicherung des Radweges, wie sie besser nicht entwickelt werden kann. Der Mulderadweg wird auf diese Weise zu einer echten Konkurrenz für den Elberadweg. Vieles andere ließe sich noch aufzählen, ich möchte es bei den wenigen großen Beispielen belassen.

 

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Mauerkrone der Talsperre Eibenstock vor Vandalismus, Beschmierungen und auch vor ernsthaften Anschlägen verschont bleibt. Es wäre schade, wenn auf Grund negativer Erfahrungen das heutige Ereignis durch eine erneute Schließung der Mauerkrone wieder rückgängig gemacht werden müsste. Ich bin mir aber sicher, dass unsere Menschen so viel Zivilcourage aufbringen werden, um einen solchen Treiben immer wieder Einhalt zu bieten. Ich würde mich freuen, wenn nach Carlsfeld und Eibenstock auch in Kürze die Staumauer der Trinkwassertalsperre Sosa ebenfalls für das Überqueren freigegeben werden könnte. Dann wäre auch der Traum von einem Dreitalsperren-Wanderweg als ein touristisches Produkt der Extraklasse in die Tat umsetzbar. Lasst uns den heutigen Tag Ansporn sein, dieses Ziel weiter mit Engagement und guter Zusammenarbeit anzugehen.

 

Uwe Staab

Bürgermeister