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Gedenkrede am Ehrenmal Vorsperre Schönheiderhammer am 8. Mai

Sehr verehrte Damen und Herren,

Liebe Zeitzeugen,

 

wir sind heute hier an der „Gedenkstätte“ an der Vorsperre Schönheiderhammer zusammengekommen, um den Ereignissen des Kriegsendes vor 70 Jahren gemeinsam zu gedenken. Ich möchte besonders die Zeitzeugen herzlich willkommen heißen, die den langen Weg auf sich genommen haben, um heute an dieser Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Unter den Zeitzeugen sind auch ehemalige Häftlinge des KZ-Außenlagers Flossenbürg. Sie waren Häftlinge, weil sie den politischen, sozialen, religiösen oder rassistischen Normen der Nationalsozialisten nicht entsprachen. Damals waren sie Nummern, heute sind sie Menschen. Kurz vor Kriegsende wurden die Häftlinge in den Todesmärschen durch das Westerzgebirge getrieben. Viele überlebten diese mörderische Tortur nicht. Deshalb zeugen zahlreiche Gedenksteine, wie dieser hier, noch heute von diesem grausamen und menschenverachtenden Umgangs mit den Menschen. Auch auf unserem Gemeindeterritorium gibt es trauriger Weise viele dieser Gedenksteine, die wir als Stadt regelmäßig pflegen.

 

Einer der bekanntesten Häftlinge des KZ’s Flossenbürg war der Christ Dietrich Bonheffer. Er hat einmal gesagt:

 

„Wie überwinden wir das Böse? Indem wir es vergeben ohne Ende. Wie geschieht das? Indem wir den Feid sehen als den, der er in Wahrheit ist, als den für den Christus starb, den Christus liebt.“

 

Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer wegen Hochverrats in Flossenbürg in der Oberpfalz hingerichtet. Vorausgegangen war die Rückkehr aus dem sicheren Exil in New York nach Deutschland, wo er das Ende der Nazidiktatur mit herbeiführen wollte. Die Briefe, die er aus der Gefängniszelle in Tegel an Eberhard Bethge geschrieben hat, sind bewegend, und sie stören in einem bis heute produktiven Sinn: Von der Kirche ist da die Rede, die nur Kirche sei, wenn sie für andere da sei. Vom "Blick von unten", der mit dem christlichen Glauben untrennbar verbunden sei.

 

Mit einer historischen Rede setzte auch Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 vor dem Deutschen Bundestag ein Zeichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der NS-Vergangenheit. Von den Reden Richard von Weizsäckers blieb diese besonders in Erinnerung. Seine Worte als Bundespräsident zum 40. Jahrestag des Kriegsendes fand vor allem im Ausland hohe Anerkennung. Der damalige israelische Botschafter in Deutschland, Jitzhak Ben Ari, nannte sie eine „Sternstunde der deutschen Nachkriegsgeschichte”. Er nannte erstmals den 8. Mai 1945 auch für die Deutschen einen Tag der Befreiung: „Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.” Des Weiteren mahnte er: „Wir dürfen nicht am Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte.” Sein wichtigster Satz aber war meiner Meinung nach:

„Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt,

wird blind für die Gegenwart.

Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will,

der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

 

Für die heutigen Generationen besteht die Aufgabe darin, das Gedenken um diesen Fakt zu bewahren, weiterzugeben und also nicht zu relativieren. Deshalb gilt es, den Rassismus, egal wie versteckt er auch sein mag, aufzudecken und anzugreifen. Ebenso ist es notwendig, jede Verharmlosung der Verbrechen Deutschlands aufs Schärfste zu kritisieren. Rechtsextremistisches Denken kann man nicht verbieten, eine demokratische Kultur nicht verordnen.

 

Wir sollten uns aber auch davor hüten, Kritik an Flüchtlingspolitik und Diskussionen zu Integrationsproblemen nicht gleich als rechtsradikal abzuqualifizieren. Damit polarisieren wir unsere Gesellschaft, die heute zu den tolerantesten auf der ganzen Welt gehört. Deshalb muss es eine intensive Aufklärung der Menschen geben, vor allem unserer jungen Generation. Das Erinnern an den 8. Mai 1945 kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

 

Auch heute ist Krieg vor allem in Nordafrika und in Ostasien wieder die Ursache für Tod, Vertreibung und Flucht. Wieder treten all diese Erscheinungen zu Tage, die wir in Europa überwunden glaubten. Wieder werden Menschen, dieses Mal vor allem wegen ihres Glaubens, verfolgt und ermordet. Die beispiellose Verfolgung und Hinrichtung der Christen muss die Weltgemeinschaft aufrütteln.

 

Aus diesem Grunde ist das Gedanken an den 8.Mai und der Besuch der Gedenkstätten von großer Wichtigkeit. Ich bedaure deshalb auch sehr, dass diese Gedenkkultur nicht mehr allgemein anerkannt ist. Sie sollte nicht mehr im Kontext mit der DDR gesehen, sondern mit dem Erbe des gesamten Deutschen Volkes gesehen werden. So möchte ich mich bei all jenen bedanken, die diese Erinnerung pflegen und im Bewusstsein der Menschen in Deutschland halten. Vielen Dank, dass Sie heute an dieses Ehrenmal gekommen sind.

 

Uwe Staab

Bürgermeister