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Rede zur Eröffnung der Fernleitungstrasse Carlsfeld – Johanngeorgenstadt am 16. Oktober 2015

Sehr geehrter Herr Dr. Kippig,

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

wenn es um Wasser geht, dann ist man auf dem Territorium der Stadt Eibenstock in vielfältiger Weise intensiver berührt und betroffen, als es möglicherweise bei anderen Gemeinden der Fall ist. Immerhin gehören zu unserem Gemeindeterritorium drei Trinkwassertalsperren, zwei große Trinkwasseraufbereitungswerke des Fernwasserzweckverbandes und damit verbunden natürlich flächendeckend Schutzgebiete, die dem Schutz des Trinkwassers dienen. Insofern freue ich mich sehr, Sie heute zu einem weiteren besonderen Ereignis in Bezug auf die Wasserversorgung der Menschen in unserer Region hier auf dem Territorium der Stadt Eibenstock begrüßen zu dürfen.

 

Als mich Herr Dr. Kippig gefragt hat, ob ich die Eröffnungsansprache halten würde, habe ich spontan „Ja“ gesagt. Erst danach ist mir bewusst geworden, dass ich, obwohl wir so von Wasser betroffen sind, noch nie eine öffentliche Rede zum Thema „Trinkwasser“ gehalten habe. Zumindest muss es schon sehr lange her gewesen sein, dass ich mich nicht mehr so recht daran erinnere. So musste ich mir, um das Thema „Wasser“ bzw. „Wasserversorgung“ intensiv Gedanken machen. Und bei der Recherche stößt man auf unwahrscheinlich interessante Fakten. Gestatten Sie mir deshalb, bevor ich auf das heute zu übergebende Objekt näher eingehe, dazu ein paar Gedanken zu äußern.

 

Ich wusste z. B. nicht, dass das meiste Wasser auf der Erde Salzwasser ist, immerhin mehr als 97 %. Dieses Wasser ist ja für Menschen und Tiere nicht verwendbar, vielleicht für die Fischer, aber ansonsten für niemanden. Das wenige vorhandene Süßwasser aber ist auf der Erde sehr ungleich verteilt. Für uns ist es unvorstellbar, kein fließendes Wasser, keine Dusche, kein Schwimmbad oder vielleicht auch kein Mineralwasser zur Verfügung zu haben. Aber in vielen Ländern der Erde ist der Wassermangel Alltag. In Ländern wie Äthiopien, Nigeria oder in Tschad gibt es so gut wie kein Süßwasser, weil es dort kaum regnet. Im Durchschnitt hat in diesen Ländern nur jeder 2. Einwohner ausreichend Trinkwasser. Wasser ist in diesen Ländern fast so wertvoll wie Gold. Weltweit sterben ungefähr 4.000 Kinder am Tag, weil sie schmutziges Wasser trinken oder von den Keimen krank werden. Nicht für umsonst gibt es jedes Jahr den sogenannten „Weltwassertag“ und die „Weltwasserwoche“, wo auf die Problematik des fehlenden Trinkwassers aufmerksam gemacht werden soll.

 

Betroffen hat mich eine Rede eines Schweizer Politikers vor der UN gemacht, die er dieses Jahr zum „Weltwassertag“ gehalten hat. Darin hat er geäußert, dass schon heute ein Großteil der Menschen keinen Zugang zu Wasser mehr hat. Laut UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung leben in 15 Jahren 47 % der Weltbevölkerung in Niedriglohnländern mit unzureichender Wasserversorgung. Zugleich bedrohen häufigere Dürren die Landwirtschaft. Überflutungen, Staudammprojekte, ungeklärte Fragen des Wasserrechts bringen die Staaten zusätzlich in Aufruhr und können schlimmsten Falls zu bewaffneten Konflikten oder Kriegen führen.

 

In den nächsten Jahrzehnten geht es an die Reserven. Zu den Gründen zählen Missmanagement, der Klimawandel, Konsum und auch die Entwicklung der Weltbevölkerung. Sie hat sich in den letzten 50 Jahren verdreifacht. Zugleich hat sich der Wasserverbrauch etwa versiebenfacht.

 

Der Leiter des Lehrstuhls für Energiewirtschaft an der TU Dresden und Forscher am Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW) Berlin sieht dies allerdings etwas Positiver, indem er sagte: „Die Berufsaussichten sind glänzend. Der Hunger in der Welt ist eine Krise, die am Wasser hängt.“ Damit sind natürlich Leute, die Berufe rund um das Thema „Wasser“ haben, gefragte Leute.

 

Je mehr ich dieses Thema recherchiert habe, umso deutlicher wurde mir bewusst, dass wir in Deutschland mit einer überwiegend kommunal organisierten und damit auch geordnet durchgeführten Wasserwirtschaft ein großes Pfund haben, um das wir in der Welt beneidet werden. Natürlich haben wir klimatische Bedingungen, die uns immer wieder genügend Wassernachschub bringen. Und dennoch ist sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit. Tagtäglich muss dieses Gut neu produziert werden und den hohen Ansprüchen an die Qualität und Versorgungssicherheit gerecht werden. In Deutschland sind laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rund 100.000 Personen in der Wasserwirtschaft tätig. Im Vergleich dazu zählt die Autowirtschaft weniger direkte Arbeitsplätze. Deutschland ist weltweit der zweitgrößte bilaterale Geber im Wassersektor und zahlt pro Jahr 350 Millionen EUR an 27 Kooperationsländer, vor allem in Afrika. Der Professor hat Recht, die Folge sind zukunftsorientierte Arbeitsplätze.

 

Dabei können wir in Deutschland auf eine lange Tradition einer kommunalen Wasserwirtschaft zurückblicken. Im Eibenstocker Rathaus hängt eine bekannte Bleiverglasung im Treppenhaus vom berühmten sächsischen Expressionisten Max Pechstein. Auf diesen Bleiverglasungen sind in Form von Personen die vier Grundfesten des Gemeinwesens dargestellt. Es sind im Einzelnen:

 

- das Bauwesen,

- das Schulwesen,

- das Krankenwesen und als Viertes

- das Wasserwesen.

 

Wer es kennt, der weiß, dass dieses von einem Mann in einem grünen Kittel dargestellt ist, der aus einem weißen Krug Wasser in eine Schale, die er in der Hand hält, gießt. Das Rathaus wurde 1907 erbaut. Zu dieser Zeit unterhielt die Stadt ein eigenes Wasserwerk mit einem Wassereinzugsgebiet, dessen Flächen heute noch kommunaler Wald sind. Dies zeigt, welche Bedeutung schon in den vergangenen Jahrhunderten das Wasser für unser Leben und für unsere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland bzw.in Europa hatte. Ich denke, es ist wichtig, wenn man über wasserbauliche Projekte spricht, dass man sich auch über den Wert des Wassers immer wieder bewusst wird. Und deshalb bin ich auch sehr stolz darauf, Mitglied des Verwaltungsrates unserer Wasserwerke hier im Westerzgebirge sein zu dürfen und mitarbeiten zu können an dieser sehr komplexen, aber auch sehr schönen Aufgabe.

 

Und so freue ich mich auch, dass wir hier am Erzgebirgskamm mit der Errichtung der Trinkwasserfernleitung vom Wasserwerk Carlsfeld zum Hochbehälter Johanngeorgenstadt eine wichtige Baumaßnahme durchführen konnten, um die zukünftige Versorgungssicherheit im oberen Westerzgebirge sicherstellen zu können. Die alte Rohrleitung vom Wasserwerk Carlsfeld nach Johanngeorgenstadt wurde ja bereits in der damaligen DDR in den Jahren 1952 bis 1955 verlegt und diente der Sicherung der Versorgungsverhältnisse im dicht besiedelten Gebiet in und um Johanngeorgenstadt.

 

Im Ergebnis des demografischen Wandels ist die Leitung mit der Zeit hydraulisch völlig überdimensioniert. Zudem wurde ist sie mittlerweile auch verschlissen gewesen, was zu Fremdwassereintrag führte. Die daraus resultierenden Qualitätsprobleme mussten abgestellt werden. Es war für unseren Verband eine Kostenfrage, wie lange wir die damit verbundenen Verluste tragen konnten. Über die technischen Details wird dann sicherlich auch noch einmal der Vertreter der Baufirma etwas Näheres ausführen.

 

Für mich war es Hochinteressant, das sogenannte „Reliningverfahren“ mit zu verfolgen. Persönlich war ich das eine oder andere Mal auf der Baustelle und habe mir das Verfahren angeschaut. Ich muss sagen, ich war begeistert von dieser Technologie und muss dem Dresdner Professor auch auf dieser Weise Recht geben, die deutschen Wasserbauer verstehen ihr Handwerk. Ich denke, dass damit auch Sie als Baufirma im Besitz einer Technologie sind, die sowohl wirtschaftlich als auch ingenieurtechnisch für Ihr Unternehmen einen großen Wettbewerbsvorteil bringen wird. Ich bedanke mich deshalb auch bei Ihnen, dass Sie uns diesen Vorschlag gemacht haben und dass wir das in Sie gesetzte Vertrauen auch bestätigt bekommen haben. Ich gehöre ja auch zu denen, die in den Verwaltungsratssitzungen, wenn es um eine außergewöhnliche Technologie geht, auch einmal nachfragen, was denn da eigentlich gebaut werden soll. Für die Baumaßnahme hier in Carlsfeld haben Sie die Erwartungen des Zweckverbandes erfüllt. Dafür möchten wir Ihnen herzlich danken.

 

Das technisch sehr anspruchsvolle „Reliningverfahren“ wurde im Jahr 2015 in einer Länge von 1,9 km in die alte vorhandene Leitung eine neue Gussleitung der Dimension DN300 eingezogen. Zur Umsetzung dieses Verfahrens mussten auf der gesamten Baulänge insgesamt 15 Start- und Zielgruben mit einer Größe von bis zu 8 x 2 m ausgehoben werden.

 

Um die Trinkwasserversorgung der Fernleitungstrasse Carlsfeld – Johanngeorgenstadt aufrechtzuerhalten, wurde eine 2,1 km lange Notwasserleitung mit einer provisorischen Pumpstation mit einer Leistung von 90 m³ je Stunde aufgebaut. Nach der Fertigstellung der „Reliningmaßnahme“ wird die neue mit Zementmörtel ausgekleidete Rohrleitung mit Kohlendioxyd begast, um unnötige PH-Wert-Erhöhungen zu vermeiden. Insgesamt werden mit dieser Leitung 20.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Täglich fließen ca. 2.000 cbm Wasser durch diese Leitung. Die Gesamtkosten dieses Bauabschnittes liegen bei 807.650 EUR (Brutto).

 

Dies ist natürlich auch für einen großen Zweckverband, wie dem ZWW, eine große Kraftanstrengung. Die Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahme ist sicherlich grenzwertig. Aber um auf den Ausgangspunkt meiner Überlegungen zurückzukommen, ist es uns dies wert gewesen, sauberes Trinkwasser aus dem Wasserwerk zu den Endkunden überleiten zu können. Diese Investition wird sicherlich wieder 60 und mehr Jahre halten müssen. Insofern war es eine Investition in unsere Wasserversorgungszukunft.

 

Der Zweckverband Wasserwerke Westerzgebirge mit seinen nachgeordneten Gesellschaften gehört zu den größten Wasserversorgern Sachsens und zu den solidesten. Dies verdanken wir einem guten Team mit einer guten Führung und mit einer politischen Einigkeit, die sicherlich ihresgleichen sucht. Auch darauf können wir stolz sein. Aus diesem Grunde möchte ich auch den Mitarbeitern der Wasserwerke und natürlich auch allen beteiligten Entscheidungsträgern auf das Herzlichste für das Gelingen dieser Maßnahme danken. Ebenfalls sei dem Planer und der Fa. FSL für die reibungslose Baudurchführung gedankt. In diesem Sinne wollen wir diese neue Fernleitungstrasse Carlsfeld – Johanngeorgenstadt der Öffentlichkeit und der Nutzung übergeben.

 

Uwe Staab

Bürgermeister