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Begrüßung der Expertenkommission „Montanregion Erzgebirge“ am Objekt „Bergbaulandschaft Eibenstock“ am 26. September 2015

Sehr geehrter Herr Professor Albrecht,

Sehr geehrte Mitglieder der Experten Kommission,

 

ich darf Sie ganz herzlich im Namen der Stadt Eibenstock, aber auch ganz persönlich hier am Gerstenberg, einem der ältesten Bergbaugebiete auf dem Territorium der Stadt Eibenstock, begrüßen. Ich freue mich, dass Sie bei der Begutachtung des Weltkulturerbe-Antrages des Vereins „Montanregion Erzgebirge“ auch hier in der Bergstadt Eibenstock Station machen. Gestatten Sie mir deshalb, in meiner Begrüßung kurz die Stadt Eibenstock vorzustellen und Ihnen auch zu begründen, weshalb wir uns an dem Gesamtprojekt des Vereins beteiligen. Die Stadt Eibenstock ist selbst Mitglied im Verein „Montanregion Erzgebirge“ e. V.

 

Wie bereits erwähnt, stehen wir hier auf historischem Boden. Die Bergbaulandschaft Eibenstock entstand im 14. Jahrhundert. Die erste urkundliche Erwähnung Eibenstocks im Jahre 1378 steht bereits im Zusammenhang mit dem Bergbau. In der Chronik heißt es „Einem in Eibenstock wohnenden Steiger (Stygero dy Ybenstock) wird ein Hof und eine Seife verliehen, in deren Nachbarschaft eine Anlage mit der Bezeichnung „Die alte Syfin“ gelegen war.

 

Aus dieser Zeit stammt auch die erste Kirche der Siedlung, welche von einer steinernen Ringmauer umgeben war. Sie stand etwa an der Stelle, wo sich heute der städtische Kindergarten gegenüber der heute vorhandenen Stadtkirche befindet. Das 15. Jahrhundert brachte die Ausweitung des Bergbaus bis hinauf ins obere Erzgebirge. Eibenstock mauserte sich zu einem bedeutenden Bergort. 1499 wird ein Richter, 1511 ein Zehndner und 1513 erstmals ein ortsansässiger Bergmeister erwähnt.

 

1533 kaufte der sächsische Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige die Herrschaft Schwarzenberg von dem Herrn von Tettau. Zu diesem Zeitpunkt lebten in Eibenstock 531 Menschen. Der neue Landesherr gab 1534 eine wohlüberlegte neue Zinnordnung heraus. Die Bergunternehmer zahlten nunmehr geringere Abgaben als sonst üblich. Eibenstock wurde mit moderner Sprache ausgedrückt eine Steueroase. Schnell entwickelte sich der Ort und wurde bald zu einem Zentrum im Westerzgebirge. Es entstanden zahlreiche Bergwerke und Hammerwerke. Der Bedarf an Eibenstocker Zinn schnellte empor. Die arbeitsintensiven Produktionsverfahren für Weißblech ermöglichten den Hammerherren keine großen Profite. Und trotzdem bleibt die Weißblechherstellung etwa 300 Jahre lang ein wichtiger Faktor der örtlichen Wirtschaftsentwicklung. Sie gab vielen Bergleuten und anderen Menschen des Eibenstocker Reviers die Existenzgrundlage. Darüber hinaus hatte das Eibenstocker Zinn, besonders das Seifenzinn, den Ruf, einen besonders feinen Glanz zu haben. So wurde es auch für die Herstellung von kunstvollen Leuchtern, Figuren und Geschirr verwendet.

 

Im Jahr 1546 erhob Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige Eibenstock zur „Kurfürstlich sächsischen freien Bergstadt“. Bald löste der untertägige Bergbau den Seifenbergbau ab. Bergzinn wurde nun mittels Stollen und Schächten aus den Zinnstein führenden Gangspalten und Zwittergesteinen mithilfe von Schlegel und Eisen gewonnen.

 

Zunehmend wurde auch die Wasserkraft im Bergbau eingesetzt. „Wasserkünste“ entstanden. Das Wasser wurde zum Teil von sehr weit herangeführt. Um 1555 legten Grabenknechte unter Aufsicht des Bergamtes den „Grüner Graben“ an. Er führte von Wildenthal Wasser der Großen Bockau über 8 km hier her nach Eibenstock in das Bergbaugebiet der „Grün“, auf dem wir hier stehen. Er versorgte Pochwerke mit Aufschlagwasser, 1650 trieb er 22 Pochwerke und Wasserkünste an. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 erlebte die „Grün“ 228 Mutungen auf Fundgruben und Stollen. Der „Grüner Graben“ existiert bis heute als technisches Denkmal.

 

Die freie Bergstadt Eibenstock erlebte in dieser Zeit eine große Blüte. Sie hatte Stadtrecht erhalten und war Sitz eines Bergamtes seit 1560 mit dazugehörigem Bergrevier. Die Stadt und ihre Bürger lebten von und für den Bergbau. Bis 1589 wuchs der Ort auf 35 Güter, 99 Häuser und 46 Häuschen an.

 

Die großen Jahre des Eibenstocker Bergbaus endeten mit dem 18. Jahrhundert. Nach 1760 ging der Bergbau zurück und erlosch schließlich. 1793 wurde das Bergamt in Eibenstock aufgelöst und nach Johanngeorgenstadt verlegt. 1834 erlosch die „Bergfreiheit“ für Eibenstock.

 

Als der Bergbau niederging, geriet die Stadt in die wohl schlimmste Krise ihrer Geschichte. Verschiedenste Krisen führten zu katastrophalen Lebensumständen. 1771/1772 führten Hunger und Krankheiten dazu, dass die Hälfte der Bevölkerung dahin starb. In dieser schwierigen Zeit kam eine verwaiste Tochter eines kursächsischen Försters namens Clara Angermann nach Eibenstock.

 

Sie hatte in einem polnischen Kloster das Tamburieren, die Kunststickerei mit der Häkelnadel, erlernt. Sie lehrte zwischen 1775 und 1780 Eibenstocker Frauen und Mädchen diese Kunst. Daraus entwickelte sich eine Stickereiindustrie, die bis zum Ersten Weltkrieg eine neue Blüte der Stadt entstehen ließ. Die städtebauliche Qualität der Stadt Eibenstock ist auf das Florieren der Stickereiindustrie im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zurückzuführen.

 

Aber auch die Stickereiindustrie kam nach der politischen Wende 1990 Schritt für Schritt zum Erliegen. Zwar gibt es auch heute noch in Eibenstock zwei Stickereibetriebe, sie stellen aber längst nicht mehr die Haupterwerbsquelle für die hier ansässige Bevölkerung dar. Neben Maschinenbau, Verpackungsmittelindustrie, Handel und Handwerk spielt auch der Tourismus zunehmend eine immer größere Rolle.

 

In den vergangenen 25 Jahren ist durch eine erneute beispiellose demografische Rückentwicklung so etwas Ähnliches wie eine Krisensituation entstanden. Hohe Arbeitslosigkeit durch die Schließung der Industriegebiete sorgte für ein Ausbluten der Gemeinden des Erzgebirges. Erst langsam erholt sich die gewerbliche Wirtschaft von den Auswirkungen des Niedergangs der Industrie.

 

Auch auf die kommunalpolitischen Strukturen wirkte sich dies aus. Im Jahr 1994 wurden die ehemaligen Gemeinden Wildenthal und Blauenthal nach Eibenstock eingemeindet. 1997 folgte die Gemeinde Carlsfeld, 2011 die Gemeinde Sosa. Auf dem Territorium der Stadt Eibenstock befinden sich heute 3 Trinkwassertalsperren, die rund 1,3 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgen.

 

80 % unseres 112 km² großen Gemeindeterritoriums ist mit Wald bedeckt. Jeder Quadratmeter unseres Gemeindeterritoriums befindet sich in irgendeinem Schutzgebiet. Insofern bestehen auch für die Zukunft in Bezug auf die Entwicklung der Ortsteile unserer Stadt große Herausforderungen. Zum 3. Mal muss ein Strukturwandel gemeistert werden.

 

Diesen wollen wir mit einer gezielten Tourismusentwicklung schaffen. Dazu wurden in den vergangenen 25 Jahren umfangreiche Investitionen getätigt. Neben der Sanierung und des Neubaus von Hotels wurden sehr viele Freizeitanlagen geschaffen, die für Bürger und Gäste abwechslungsreiche Betätigungsmöglichkeiten bieten. Daneben gelang es einen kleinen Kern von Industriebetrieben zu erhalten, die heute wieder vielen Menschen Arbeit geben.

 

Heute leben noch rund 7.800 Einwohner in unseren 9 Ortsteilen. Wie viele es noch in 10 Jahren sein werden, wissen wir nicht genau. Aber wir werden entsprechend der vorhandenen Arbeit wie auch schon vor 500 Jahren ein wieder etwas dünner besiedelter Landstrich werden, in dem sich auch gut leben lässt.

 

Ich stehe gerne für weitere Fragen zur Stadt und Stadtgeschichte zur Verfügung und wünsche Ihnen nun für den Rundgang durch das Bergbaugebiet der „Grün“ interessante und neue Erkenntnisse.

 

Uwe Staab

Bürgermeister